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Americanah

chimamanda-ngozi-adichieBild: Fischer Verlage

Wenn so langsam Herbst, Regen und die Dunkelheit einziehen, macht man es sich gerne auf dem Sofa mit einem guten Buch gemütlich. Vor einiger Zeit entdeckte ich ein Buch, dass es definitiv wert ist, dass man ihm Zeit widmet: Americanah. Geschrieben wurde das Buch von der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, die bereits als eine der großen jungen Stimmen der Weltliteratur gilt.

»Adichie hat einen umwerfenden Roman geschrieben. […] , weil das Buch […] etwas erklärt über die Welt von heute, das man so noch nicht gesehen hat.« Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20.4.2014

Erzählt wird in Americanah die Geschichte der jungen Ifemelu: Ifemelu wächst in Nigeria auf der 80er und 90er Jahre auf. Sie geht dort zur Schule und lernt ihre große Liebe Obinze kennen. Anders als die meisten ist Obinze jemand, mit dem sie sie selbst sein kann – fernab von Oberflächlichkeiten der Jugend. Beide fangen ein Studium an und träumen von Amerika. Einige Zeit später erhält Ifemelu tatsächlich die Möglichkeit, nach Amerika zu gehen. Obinze soll später nachkommen. In Amerika angekommen, stellt Ifemelu fest, wie anders das Leben dort ist – und wie anders sie dort wahrgenommen wird. In Nigeria spielte Rasse nie eine Rolle – in Amerika stellt sie fest, dass sie als schwarze Afrikanerin jemand Fremdes ist. Ifemelu hat einen schwierigen Start in Amerika: Sie findet sich in einem Land wieder, dass sie abzulehnen scheint. Einem Land, das Menschen schon zu Beginn anhand ihrer Erscheinung, d.h. ihrer Herkunft, Farbe und Sprache klassifiziert und verurteilt.  Sie muss ihr Leben und ihr Studium finanzieren, findet aber keine Arbeit. Nachdem sie ein unmoralisches, aber lukratives Angebot annimmt, zerbricht etwas in ihr. Sie verliert ein Stück ihrer selbst, und zwar den Teil, der ihre Liebe zu Obinze betrifft. Sie bricht den Kontakt zu ihm ab, ignoriert alle seine Versuche, sie zu erreichen.

Einige Zeit später gelingt es Ifemelu, einen Job als Babysitter zu finden, und ihr Leben beginnt sich zu ordnen. Sie lernt einen jungen, weißen Mann kennen. Er kommt aus einer Old Money Familie von der Ostküste, ist ein erfolgreicher Unternehmer und betet Ifemelu an. Mit ihm lernt sie ein neues Leben kennen: Ein Leben voll von Überraschungen, Reisen, neuen Entdeckungen. Aber auch ein Leben, in dem sie an der Seite des weißen Freundes stets als Eindringling aufgenommen wird. Als jemand, der nicht dahin gehört, wo er ist. Als jemand, der es nicht verdient, es gut zu haben. In dieser Zeit fängt Ifemelu an, einen Blog zu schreiben. Einen Blog über Rasse, über das Leben von Farbigen in Amerika. Sie beschreibt dort ihre Alltags-Erfahrungen, spricht darüber, wie es ist, irgendwo fremd zu sein oder sich fremd zu fühlen – als Mensch nicht angenommen zu werden. Nach und nach hat Ifemelu Erfolg mit ihrem Blog und wird zu Vorträgen an Universitäten, Symposien etc. eingeladen. Der Blog bringt ihr Ansehen und gutes Geld. Alles scheint gut in ihrem Leben. Doch Ifemelu spürt immer, dass etwas fehlt. Ihre Beziehung zerbricht. Sie gestaltet ihr Leben neu und lernt einige Monate später einen jungen dunkelhäutigen Professor kennen. Mit ihm betritt sie eine Welt der jungen und erfolgreichen Intellektuellen. Diese Welt ist international, vorwiegend dunkelhäutig und ambitioniert. Und obwohl Ifemelu eine von ihnen ist – sie ist erfolgreich mit ihrem Blog, schreibt an ihrer Doktor-Arbeit etc., betrachtet sie alles von außen, gehört irgendwie nicht dazu. Auch dieses Leben ist nicht ihres.

Parallel dazu geht Obinze, Ifemelus große Liebe, nach London – das mit dem Wunsch, nach Amerika zu gehen. Da er jedoch ohne gültige Papiere in England ist und es ihm nicht gelingt, Geld und alle nötigen Formalitäten für einen Aufenthalt zu organisieren, wird er nach Nigeria abgeschoben. Gedemütigt und von der Härte des Lebens geprägt, fängt er in Nigeria von Null an. Er hat jedoch Glück und findet einen Untestützer, der es Obinze ermöglicht, schnell Karriere zu machen. Obinze wird einer von Nigerias Neuen Reichen. Er heiratet, bekommt ein Kind, ist hoch angesehen. Das Leben scheint gut zu sein. Eigentlich ist er angekommen und hat alles – und doch ist er, wie Ifemelu, manchmal auch ein Betrachter seines Lebens. Er spürt, dass es nicht das ist, was er braucht. Er ist anders als die meisten seiner geldgierigen, korrupten Bekannten. Nicht so oberflächlich wie die anderen und auch nicht wie seine eigentlich perfekte Frau.

Nach 13 Jahren in Amerika beschließt Ifemelu, nach Nigeria zurück zu kehren. Sie kann den Entschluss selbst nicht richtig fassen und erklären, aber es scheint für sie das einzig Richtige zu sein. Ifemelu beendet ihre Beziehung und auch ihr Leben in Amerika und geht zurück nach Lagos. Dort angekommen, ist sie zunächst mit einer anderen, neuen, chaotischen, opportunistischen Welt konfrontiert. Einem Nigeria, das so anders ist, als in ihren Erinnerungen. Und doch spürt sie, dass sie dort ist, wo sie sein muss. Zum ersten Mal nach langer Zeit. Irgendwann kommt das, was kommen muss: Ifemelu und Obinze begegnen sich wieder. Sie finden einerseits das wieder, was ihnen gefehlt hat. Andererseits stehen beide damit vor anderen Wegen und schwierigen Entscheidungen…

Gefallen hat mir das Buch insbesondere, weil es Gedanken so präzise in Worte fasst. Fernab jeglicher Klischees wird die Suche nach dem eigenen Weg – die Frage, was man möchte und wer man ist, thematisiert.  Das Anders-Sein, Rasse, der Konflikt zwischen Schwarz und Weiß, Herkunft, Beziehungen und die Erfahrungen mit der Fremde werden angesprochen – mal mit überraschend klaren, klugen Feststellungen und manchmal nur subtil angedeutet. Das Buch erzählt abwechselnd in Form von Flashbacks und der Schilderung der aktuellen Situation von Ifemelu und Obinze. Für mich ein absolut lesenswertes Buch, das den Horizont öffnet und zum Nachdenken bringt – auch über sich selbst.

Hier sind weitere Stimmen und Rezensionen zum Buch:

»Adichie hat wahrhaft einen Weltroman geschrieben, der uns Begriffe einer Menschenkenntnis an die Hand gibt, die überall funktioniert, ohne je schablonenhaft zu sein.«
Die Zeit, 15.5.2014

ZEIT-Interview mit Chimamanda Ngozi Adichie

Süddeutsche Zeitung – Rezension

Buchvorstellung des Verlags

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